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Landpartie mit Lars

Brandenburgs schönste Radwandertouren – für Sie geradelt und zusammengestellt von MAZ-Redakteur Lars Sittig.
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Verkaufspreis: 12,80 €
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Beschreibung

Wollten Sie immer schon wissen, wo der Weihnachtsmann logiert? Vor Ihrer Haustür Brandenburgs wildeste Seiten erobern, Urwälder entdecken, Mammutbäume, Wanderdünen und Bade-Oasen besuchen und auf dem märkischen Big Ben schauen, wie spät es ist? Dann gehen Sie mit 14 Kolumnen der Serie „Landpartie mit Lars“ der Märkischen Allgemeinen Zeitung auf eine ganz besondere Rad-Entdeckungsreise zwischen Spreewald, Fläming und Prignitz.
 

Leseprobe

Fischotter und Teufelswald - Radtour im Naturschutzgebiet Zarth

Bei dieser zweistündigen Rundfahrt in Treuenbrietzen zeigt sich Brandenburg von seiner wilden Seite: Die Moorlandschaft im Naturschutzgebiet Zarth gehört zu einem der ungezähmtesten märkischen Biotope. Badestopp und Panoramablick inklusive.

Plötzlich ist er da, der Zarth. Wie durch eine Schleuse sind wir durch die Eingangspforte in eine vollkommen andere Vegetationszone getreten, aber der Name will nicht so recht zum Programm passen: Zart ist es hier nicht, sondern wild und urwüchsig. Viel zutreffender ist Teufelswald, wie der Volksmund sagt. Die Überreste gewaltiger, zersplitterter Bäume vermodern in sumpfigem Wasser, während marode Rümpfe gleich nebenan gegen jedes physikalische Gesetz noch das Gleichgewicht halten. Urwaldfeeling stellt sich ein, auch wegen der Geräuschkulisse: Es zwitschert und krächzt, als habe jemand fünf Vogelstimmen-Schallplatten auf einmal aufgelegt.

Das Naturschutzgebiet Zarth ist das erste Highlight auf diesem Rundkurs um Treuenbrietzen im Fläming. Zwei Kilometer lang zeigt Brandenburg auf gut befahrbarem Untergrund seine wildeste Seite. Es ist zwar keine europäische Sumpfschildkröte zu sehen, aber die ist ohnehin schon sehr lange nicht mehr gesichtet worden, hat mir Eberhard Schneider vom Vogelschutz-Komitee, das den Zarth verwaltet, vorab per Mail erklärt. Dafür sind Nutria und Biber dazugekommen. Es lässt sich aber auch von den beiden niemand sehen: Macht nichts, ohnehin rechnet man hier eher mit einem Sumpfsaurier, Freddy Krüger oder wenigstens einem Alligator. Hier, in einem Land vor unserer Zeit, in dem die Natur die Regentschaft übernommen hat und zeigt, was sie für einen gestalterischen Coup landet, wenn man sie nur lässt.

Es ist alles irgendwie eine Nummer größer: Auf dem Mittelstreifen des Waldweges reichen die Gräser bis zur Brust. Unzählige umgestürzte Bäume später verlassen wir die wilde Welt wieder, die Sonnenstrahlen blinzeln ein letztes Mal durch die dichten Baumkronen, wenig bald schon lugen die Dächer von Bardenitz am Horizont durch Büsche und Wiesen.

Zurück in der Zivilisation, mit Handyempfang. Zwei Nachrichten trillern, aber ich schaue nicht nach. Heute ist frei, es geht raus aufs Land, ins Brandenburgische. Am Feldrain schimmern Mohn- und Kornblumen, das Korn wogt im Takt beim Karneval der Kulturen. In zwei Hofläden werden die Satteltaschen gefüllt, auch für die kommenden Tage – aber natürlich erst einmal für das Picknick auf dem Keilberg, der seinen Gipfel schon am Horizont aus der Landschaft reckt. Ich schaue in die Bardenitzer Kirche, es riecht nach Geschichte, rolle kurz darauf durch das Dorf Pechüle und denke darüber nach, was es eigentlich ist, das mich immer wieder von der Couch in den Sattel hievt. Der Tapetenwechsel, klar. Frische Luft, weites Land, über Nebenstraßen treiben, auf denen man das Gefühl hat, der Erste und Letzte zu sein.

Auf dieser Tour rund um den Zarth sind es aber auch die Extreme, mit einer Sehenswürdigkeitendichte wie in London: Urwaldatmosphäre im Zarth, dann eine uralte Kirche in Pechüle, eines der ältesten Backstein-Gebäude des Flämings. Und nun, ein paar hundert Meter weiter, riecht es nach Kiefernwald, nach Kindheit und dem typischen brandenburgischen Sommer – und wieder stark nach Historie. Am Eingang des früheren Truppenübungsplatzes Jüterbog stehen Infotafeln. Man kann dort lesen, dass die heutigen Stiftungsflächen von 1864 bis 1992 militärisch genutzt wurden, seit einiger Zeit soll auch hier die Natur das Kommando übernehmen. Im Wald gibt es ein Hinweisschild, mit dem Titel „der Wolf kehrt zurück“. Mit seinem Comeback wurde auch das Wolfsmanagement eingeführt, als hätten die wilden Tiere jetzt einen Promoter mit Instagram-Auftritt und Visitenkarten.
Schnaufend und mein Rad schiebend erobere ich den Keilberg. Ein paar Wehstücke sind recht sandig, außerdem können auch 108 Meter ganz schön hoch sein, wenn die Umgebung nur flach genug ist, wenn das Relief stimmt.

Und das tut es oben beim Panoramablick: Die Landschaft breitet sich aus wie eine Art märkischer Monet. Der Fernsehturm in Wannsee hebt sich gut sichtbar vom Horizont, bei guter Sicht funkelt die Kugel des Berliner Fernsehturmes in der Sonne – wie ein Einheimischer erklärt, dann kann man quasi in die Kugel schauen. Picknickzeit. Pause. Der Wind rauscht. Durchpusten, kauen, genießen und in die Ferne schauen. Schon das allein war die Tour wert. Es geht wieder abwärts, durch den Wald und über die Stiftungsflächen Richtung Felgentreu. Der Aussichtsturm am Hubertusbrunnen sieht aus, als habe man ihn hier zwischengelagert und vergessen abzuholen, aber vermutlich gehört er einfach zum Ensemble mit Gruppenrastplatz und Schutzhütte.

Eine weitere Infotafel erinnert etwas später an Mehlsdorf, das dem Militär weichen musste. Eine Schafherde drängt sich Fell an Fell unter den Schatten eines Baumes, lauf kläffend bewacht von Hütehunden.
In Felgentreu nehme ich die Schlussetappe in Angriff und radele am Rande des Wegenetzes Treuenbrietzen entgegen. Es wird am Fuße des Berges dann noch einmal sumpfig, Reiher landen und starten auf einem Torfstich. In Bardenitz biege ich auf einen asphaltierten Radweg, der am Rande des Naturschutzgebiet Zarth Richtung Sabinchenstadt führt. Von hier sieht aus wie ein ganz normales Waldstück, das zwischen Feldern seine Nische gefunden hat.

Der Zug ist gerade abgefahren nach Potsdam, das verschafft mir fast zwei Stunden Zeit, um den Badesee direkt am Bahnhof Treuenbrietzen und die historische Innenstadt zu erkunden, mich abzukühlen und in der Abendsonne die Reste des Proviantes zu essen. Die Regionalbahn rollt zurück in die urbane Zone. Am Abend sortiere ich die Bilder der Tour, sichte Fotos und Videos. Da ist er plötzlich wieder da, der Zarth. Das Land vor unserer Zeit.
 

Die Tour im Schnell-Check
 

Start- und Zielpunkt: Die Tour startet und endet am Bahnhof Treuenbrietzen, der von Potsdam oder Berlin mit der Regionalbahn direkt und schnell erreicht werden kann.

Schwierigkeitsgrad: Es gibt eine nennenswerte Steigung auf der Strecke – den Keilberg. Der Anstieg ist aber auch für nichttrainierte Radfahrer zu bewältigen. Die wunderbare Aussicht samt Picknicktisch entschädigt für die Mühen. Weite Teile der Tour, die für dünne Reifen nicht geeignet ist, bestehen aus gut befahrbarem natürlichen Untergrund oder sogar Asphalt. Achtung: ein paar kleine Teilstücke rund um den Keilberg sind recht sandig. Ein großes Plus: Es müssen außerhalb der Ortschaften keine Autostraßen benutzt werden.

Länge: 30 Kilometer (Fahrtzeit rund zwei Stunden, es ist aber mit einer längeren Verweildauer zu rechnen.) Einzelabschnitte: Bahnhof Treuenbrietzen – Zarth – Bardenitz – Pechüle – Keilberg – Stiftungsflächen – Felgentreu – Pechüle – Bardenitz – Treuenbrietzen

Die Route: Die Strecke führt vom Bahnhof Treuenbrietzen durch den Urwald des Naturschutzgebietes Zarth nach Bardenitz. Hier gibt es einen Hofladen und eine Wildfleischerei, allerdings keinen Imbiss und keinen Brotverkauf. Es empfiehlt sich, ein Picknick vorzubereiten und mit Spezialitäten vor Ort zu verfeinern. Anschließend geht es über Pechüle auf den Keilberg mit Rastplatz und Panoramablick und von dort über den früheren Truppenübungsplatz mit spannenden Infotafeln und einem Aussichtsturm nach Felgentreu (hier dem ausgeschilderten Weg Bardenitz–Felgentreu folgen). Die Route zurück führt am Rande der Stiftungsflächen entlang, durch Bardenitz und auf einem asphaltierten Radweg des Zarth nach Treuenbrietzen.

Sehenswürdigkeiten: Die Strecke bietet die naturbelassene Schönheit der Landschaft, zudem zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Zu den Highlights gehört Treuenbrietzens mittelalterliche Innenstadt mit ehrwürdigen, alten Gebäuden wie dem „Gildenhaus“, der Kirche St. Marien mit Lutherlinde, einem Wasser- und Pulverturm, der Stadtmauer und dem Stadtpark. Die Dorfkirche in Pechüle ist der älteste Backsteinbau des Flämings mit einem romanischen Kirchenschiff aus dem 13. Jahrhundert. Für die einzigartige Flora und Fauna im Flachmoor Zarth sollte man sich Zeit nehmen und beispielweise die Vogelwelt beobachten. Mit etwas Glück sieht man Kraniche, Bekassinen, rote Milane und Schwarzstörche. Auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz sind spannende Infotafeln installiert. Unterwegs kann der Radler vielerorts liebevoll gestaltete Dorfteiche, Rastplätze oder den verwitterten Charme manch alter Häuserfassade entdecken.

Einkehrmöglichkeiten: In Treuenbrietzen findet man Restaurants, Gaststätten und Imbissmöglichkeiten.

Bademöglichkeiten: Unweit des Bahnhofs Treuenbrietzen liegt der Baggersee, ein Badesee mit vielen idyllischen Ecken, außerdem verfügt die Stadt über ein Freibad.

MAZ-Tipp: Auf dem Keilberg picknicken und Badesachen einpacken. Zum Abschluss im See am Bahnhof Treuenbrietzen abkühlen.

Format: 190 x 125 mm - Umfang: 108 Seiten - ISBN: 978-3-9822679-0-6

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